4. Kapitel (S. 60 - 78) || Sadies POV
Wir
sind auf Seite 60 angekommen und bisher ist ja so gut wie gar nichts
passiert, außer dass Sadie gleich zwei Sahneschnittchen getroffen hat,
denen sie es voll angetan hat. Der klimpernde Sexgott, der ihr Höschen
feucht werden lässt und der andere Schwachmat der da noch mit rumhüpft.
Soll ich mich mal gaaaaanz weit aus dem Fenster lehnen und voraussagen,
dass sie am Ende mit Jax zusammenkommt? Und das sage ich nicht nur, weil
ich das Buch im Januar schon mal gelesen habe und auch nicht weil der
Titel sogar voraussagt, wer da am Ende mit wem knattert. Nö, einfach
weil es offensichtlicher als offensichtlich ist.
Sadie
krepelt im Garten rum und hilft den Gärtner, als Marcus ihr sagt, dass
die Familie außer Haus isst und er deswegen früher Feierabend macht.
Sadie lehnt sein Angebot auf sie zu warten ab, weil sie noch einkaufen
muss. „Der Gedanke, dass du allein im Dunkeln
heimfährst, noch dazu beladen mit Einkaufstüten, gefällt mir gar nicht.“
(S. 60, Z. 9–11) Okay, Realtalktime: ich würde so ein Verhalten
ja verstehen wenn man im tiefsten Ghetto wohnt. Ich gehe nachts auch
nicht gerne alleine über den Alexanderplatz. Aber, man kann so ein
Verhalten auch echt übertreiben. Erstens ist sie mit dem Fahrrad
unterwegs und zweitens: will man dem Gör irgendwie konsequent eine
Paranoia einreden? Sie hat offensichtlich keine Angst davor abends (von
wegen nachts!) alleine nach Hause zu fahren. Immer dieses nach Hause
bringen! Ja, es ist ja eine nette Geste und eine gewisse Vorsicht sollte
man immer an den Tag legen. Aber man kann es auch vollkommen
übertreiben. Ich muss da immer dran denken, was meine Oma gesagt hat:
was soll das werden wenn man Frühschicht hat? Ich fand es auch nicht
toll um 2:40 Uhr mit dem Nachtbus durch die halbe Stadt zu fahren.
Musste ich es trotzdem tun? Ja, natürlich. Ist jemals was passiert?
Nein, außer dass mir vor die Füße gekotzt wurde. Mir ist klar, dass ich
Glück habe, weil mir noch nie irgendwas Bedrohliches alleine nachts
passiert ist, aber sich von so einer Einstellung beherrschen zu lassen
ist weder gesund noch verständlich. Ich habe da persönlich einfach mal
null Verständnis für. Zumal ich auch ausnahmslos paranoide Freunde habe,
die in Schweiß ausbrechen wenn ein im Dunkeln ein Mann an uns
vorbeiläuft. Und der tut nicht mal was, der denkt sich wahrscheinlich
auch nur: „Laber mich bloß nicht an.“ Vielleicht wurde ich auch schon zu
oft nachts um 3 Uhr aus dem Bett geklingelt, weil jemand alleine zur
U-Bahn laufen musste.
Aus
dem Nichts kommt auf einmal Jax und stimmt Marcus zu, dass Sadie nicht
alleine nach Hause fahren sollte. Ja, kommt, redet dem Mädel noch mehr
grenzdebile Ansichten ein! Jedenfalls, sagt Jax dass er Sadie nach Hause
fahren wird und Marcus lässt die Beiden alleine, auch wenn er dabei
nicht glücklich aussieht. Alter, hat das Weib da auch mal einen Ton
mitzureden? Sie ist ja wohl diejenige die dann zu einem „Fremden“ ins
Auto steigen soll, was im Übrigen dümmer ist als alleine nach Hause zu
gehen. Ich lasse mich doch auch nicht von Hinz und Kunz nach Hause
bringen. Weiß ich was das für Spasten sind? Was in deren Hirnen nicht
richtig läuft? Vor allem bei Jax, zumal sie den ja nun mal gar nicht
kennt. Da wäre es vernünftiger sich von Marcus nach Hause zu bringen,
dem man wenigstens minimal Vertrauen entgegenbringen kann, nachdem er
bereits versucht hat eine Freundschaft (und mehr) aufzubauen.
Wir
erfahren, dass Sadie neuerdings auch von Jax schwärmt, warum auch
immer. Jax sagt irgendwas, dass er, wenn er gewusst hätte dass Sadie
jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt schon längst etwas dagegen
unternommen hätte. Was zur Hölle? Was will er denn dagegen unternehmen?
Was ist daran so schlimm, wenn jemand mit dem Fahrrad fährt? Außerdem
fragt er Sadie sofort ob Marcus ein Freund von ihr ist. Sie sagt ja, er
ist nett und daraufhin will Jax von seiner Ische wissen, ob er auch ein
netter Kerl ist. Ich will nicht mehr, ne? Das tut ja schon im Kopf weh …
Jax
lädt unser Naivchen auf einen Strandspaziergang ein, damit sie danach
besser einschätzen kann, ob er ein netter Kerl ist. Ich bin raus, adios,
ich geh arbeiten! Bahnhofspenner, ich komme!
Es
nützt ja nichts, das Buch starrt mich einfach immer anklagend an. Sadie
ist sich nicht sicher, ob sie die Einladung einnehmen soll, da sie dem
Gärtner ungern alleine lassen will, weil dieser Arthritis hat und
dadurch ihre Hilfe braucht. Jax gibt dem Gärtner kurzerhand den
restlichen Nachmittag frei. Mag ja an sich eine nette Geste sein, aber
ich mag weder ihn noch die läufige Hündin, also rege ich mich drüber
auf.
Nach
einem kleinen Seitenhieb von Jax ist Sadie nicht gerade begeistert und
dann sagt der Junge wieder etwas, was mich einfach nur aufregt: „Einem Mädchen mit Mitgefühl bin ich noch nie begegnet und bin fasziniert.“ (S. 63, Z. 3–4)
Alter, wo zur Hölle kommt der bitte her? Unter was für gefühlskalten
Menschen ist der bitte aufgewachsen, wenn es ihn fasziniert dass ein
Mädchen im Garten hilft und abends mit dem Gärtner eine Runde Schach
spielt. Für’s Erste wird sie immerhin bezahlt und das Zweite ist zwar
nett und fürsorglich, aber nichts womit man diese Bratze so dermaßen in
den Vordergrund rücken könnte. Ich biete einer alten Oma in der Bahn
auch meinen Sitzplatz an, bin ich jetzt auch was total Besonderes oder
wie?
Immerhin
hält Sadie dagegen, dass das nichts Außergewöhnliches ist. Und Jax
erwidert, dass seine Fans einfach alle nur miteinander eine Macke haben.
Von wegen, die sprühen ihr Parfüm auf sein Kissen und sowas. Bah pfui
Teufel, ich hasse ja Parfüm, ne? Da würde ich automatisch voll den
Raster kriegen.
Naivchen
und Hohlbratze sind am Strand angekommen und setzen sich in den Sand.
Und Sadie macht sie einen ganzen Absatz lang darüber Gedanken wie sie
wohl aussieht, wenn sie sich hinsetzt. Also, noch unwichtigeren Gedanken
kann man ja nun echt nicht nachhängen. Lass’ dich wie ’ne vergammelte
Kartoffeln fallen oder dreh’ dabei eine Pirouette, ist doch völlig egal!
Jax
möchte einiges über Sadie erfahren und sie sagt sofort, dass sie nicht
weiß was sie erzählen soll, da sie total langweilig ist. Immer dieses
„Buhuu, ich bin so langweilig.“ Erzähl doch einfach irgendwas. Du bist
immerhin siebzehn, du dämliche Göre! Siebzehn Jahre die dein gegenüber
nicht mitbekommen hat, da gibt es bestimmt einiges zu erzählen. Und wenn
du ihm nur erzählst wie du mit deiner besten Freundin Muffins frisst
und zu 'nem Death Metal Lied durch die Küche tanzt.
Sadie
erzählt ihm, dass sie mit ihrer Mutter alleine wohnt und diese
schwanger ist. Jax hakt sofort nach und möchte wissen was mit Papa
Jammer-di-Jammer ist. Wir erfahren dass Sadies Vater verheiratet ist und
sie sagt auch, dass ihre Mutter sich immer die größten Loser aussucht.
Gut, ich kann verstehen dass sie verbittert und verletzt ist, weil ihr
Vater nichts mit ihr zu tun haben will. Aber nur, weil ein verheirateter
Mann eine Affäre hatte ist er noch lange kein Loser. Ich hasse dieses
einseitige ne? Es ist definitiv nicht die feine englische Art, vor allem
wenn man dann nicht mal die Eier in der Hose hat und sich um das Kind
kümmert, aber das immer gleich so krass zu verallgemeinern regt mich da
schon auf.
Achja,
und natürlich sind das alles Sachen, die sie eigentlich niemals
jemandem erzählt, aber bei Jax ist das natürlich etwas anderes. Liegt
wahrscheinlich am seinem sexy Fingernagel … ne ey. Das sind doch solche
Kevins.
Jax
ist natürlich sofort hin und weg und sagt, dass das erklärt, warum
Naivchen so anders ist. Ich wiederhole: wo ist sie bitte anders?
Richtig! Ist sie nicht! Dann betatscht er sie noch und nimmt ihre Hand
und spricht mit ihr, als wäre das voll der Weltuntergang dass sie
arbeiten geht.
Unser
Traumpaar sitzt noch ein bisschen am Strand bevor sie zurückgehen.
Natürlich, bevor die Sonne komplett untergegangen ist, weil geht ja mal
gar nicht dass das Prinzesschen im Dunkeln durch die Gegend läuft.
„Mit
Jax Stone Hand in Hand über den Strand zu gehen und mich ihm verbunden
zu fühlen, das kam mir wie eine außerkörperliche Erfahrung vor – anders
kann ich das nicht erklären.“ (S. 66, Z. 11–14) das ist jetzt
nicht ernst gemeint oder? Mädel, du hältst nur seine Hand und nichts
anderes. Meine Fresse, man kann das romantische auch komplett erzwingen.
Das ist so ekelhaft kitschig, dass ich kotzen gehen will.
Um
dem ganzen noch einen draufzusetzen sorgt Jax dafür dass Sadie einen
persönlichen Chauffeur bekommt, der immer und jederzeit für sie
bereitsteht, damit das arme arme hilflose Mädchen bloß nicht drei
Schritte alleine (und im Dunkeln!!!) machen muss. Bah, ist das ekelhaft.
Ganz ehrlich, wenn ein Kerl mich so behandeln würde und mir alles in
den Arsch blasen würde, ich würde ganz schnell abhauen. Weil, ich
persönlich, finde das überhaupt nicht süß oder romantisch wenn ein Kerl
mir mit solchen Argumenten kommt. Die leben nicht im Kriegsgebiet, meine
Fresse. Und auch nicht in der tiefsten Wildnis das auf einmal ein Bär
aus dem Gebüsch gesprungen kommt. Ich finde das voll belastend.
Kurz
darauf hat Sadie dann Feierabend und Marcus hat einfach mal Sadies
Fahrrad mitgenommen, damit die Dame auch gar keine Möglichkeit hat sich
selbst zu entscheiden. Boah, ich hasse sowas ja … wenn die mit dem
Fahrrad fahren will, dann lasst sie doch einfach mal. Da würde es mir
einfach nur ums Prinzip gehen.
Und
natürlich kann man das Mädel auch nicht mal alleine vom Chauffeur nach
Hause bringen lassen. Nene, Jaxie-Boy sitzt hinten mit im Auto und
drängt Naivchen seine Anwesenheit auf. Würde ich Sadie nicht so hassen
würde sie mir ja glatt leidtun. Das ist nämlich keine Fürsorge was hier
passiert, das ist Bedrängnis.
Unsere
Schnuckelpuffis gehen also zusammen einkaufen, auch wenn Jax ja
eigentlich unentdeckt bleiben wollte. Aber egal, sobald ’ne Blondine mit
Titten vor ihm rumspringt vergisst er anscheinend alle Vorsicht und
geht mit ihr den Scheiß Wochenendeinkauf machen. Boah, ich habe keine
Lust mehr. Das ist doch nicht normal, das tut ja schon im Kopf weh.
Nach
langweiligem und überflüssigem rumgeflirte geht unser Traumpaar also in
den Supermarkt und Jax erwähnt, dass er das letzte Mal als kleiner
Junge einkaufen war. Der glückliche. Ich hasse einkaufen ja, ne? Sadie
kriegt auch sofort Komplexe weil ihr einfällt, dass Jax ja jetzt sieht
wie sehr aufs Geld achten muss. Mäuschen, du musst sein Klo, das du dir
nicht gerade mit 500 Dollarscheinen den Arsch abwischt, müsste ihm
eigentlich von Anfang an klar sein.
Ein
kleines Mädchen erkennt unsere Gottesgleichen Superstar und Jax ist
natürlich der absolute Profi, wenn es um den Umgang mit Kindern geht. Er
sorgt dafür dass das ein Geheimnis bleibt, in dem er die Kleine im
Prinzip besticht und ihr zwei Konzertkarten in der ersten Reihe und
Backstage-Pässe verspricht. Ich weiß nicht wie das in Amerika ist. Aber
die Konzerte auf denen ich war, da gibt es keine erste-Reihe-Tickets. Da
heißt es: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Oder in einigen Fällen auch:
Wer am brutalsten drängeln und schubsen kann steht vorne. Ich hab schon
so oft Ellenbogen abbekommen, wurde bei „Volbeat“ mit Bier und Kotze
geschmückt und neulich bei „The Amity Afflicton“ habe ich erst einen
Schuh gegen den Kopf bekommen … hach, da kann ich Geschichten erzählen.
Jedenfalls,
ist die Mutter von dem kleinen Mädchen super gerührt und natürlich ist
ihr Mann gerade erst im Krieg gefallen und das bedeutet dadurch ja
doppelt so viel. Warum sollte man auch das Potenzial einer
Trauergeschichte unausgeschöpft verstreichen lassen?
Unser
Traumpaar setzt seinen Einkauf fort und als die damit fertig sind gehen
sie wieder raus zum Auto. Also, ich kann ja nachvollziehen, warum
Megastars Bodyguards haben, aber seinen Einkauf kann man ja wohl selber
in den Kofferraum räumen. Gut, das tut Jax auch. Ich möchte hier jetzt
nichts aus dem Kontext reißen. Aber sein Bodyguard möchte das halt für
ihn machen und Jax lehnt ab beziehungsweise macht es einfach selber. Das
ist so ein Punkt den ich nie verstehen werde. Ebenso wie man, auch als
Rockstar, selber eine verdammte Autotür öffnen kann. Oder haben die
Angst dass er sich einen wertvollen Finger stoßen könnte?
Naivchen
und der klimpernde Bengel sitzen wieder im Auto und Sadie kommt gar
nicht darüber hinweg wie absolut toll und gottgleich Jax mit dem kleinen
Mädchen umgegangen ist. Als Jax sagt, dass er gerne noch mehr Zeit mit
Sadie verbringen würde sagt Sadie dass sie langweilig ist. Ach, sind wir
wieder bei der Leier angekommen?
Ohne
das Sadie jemals ihre Adresse erwähnt hätte weiß Jax natürlich wo sie
wohnt und das fällt Naivchen auch auf. Er sagt, dass sie nun mal für ihn
arbeitet und er einfach in die Akte gesehen hat. Also, das finde ich
dann schon etwas übertrieben. Ich meine, klar kennt er auf dem Papier
ihre Adresse. Aber es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen „in
den Akten“ und „ich glotz rauf und finde heraus wo die wohnt“. Bah, wenn
das mein Chef machen würde. Ich würde ihm den Hals umdrehen!
Das
Kapitel endet damit, dass Sadie ihrem Lover seine Kaugummis gibt. Das
war so ein kleiner Scherz von ihr, dass er die kriegt wenn er artig ist.
Ich sage es nicht gerne; aber das war eigentlich ganz süß gewesen. Und
weil ich das zugeben musste, muss ich jetzt erstmal duschen gehen um den
ganzen Kitsch wegzukriegen.
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