Sonntag, 10. April 2016

| Musikgebrabbel #7 | Hollywood Undead, 30.03.2016 Berlin, Huxley's neue Welt

„Hollywood Undead ist eine Band die ich mir schon seit einiger Zeit anhöre. Genauer gesagt, war das Konzert am 17. November. 2014 der Band in Berlin, das erste Konzert auf dem ich jemals war. Und deswegen zögerte ich nicht lange als eine Sandkastenfreundin von mir mich fragte, ob ich sie auch diesmal begleiten würde. Um 17 Uhr traf ich mich mit Sunni am U Bhf Hermannplatz, denn mein Schimmelkopf darf seit einigen Monaten als meine Begleitung natürlich nicht fehlen.

Wir fanden das "Huxley’s neue Welt" relativ schnell. Jenny (die Sandkastenfreundin) und ihr Verlobter standen schon in der Schlange, also stellten wir uns dazu. Sie ist in so einem „Hollywood Undead-Fanclub bei Facebook, deswegen waren wir eine ziemlich große Gruppe. Aber das war zur Abwechslung mal ganz interessant. Ich habe gute Gespräche während der Wartezeit geführt auch wenn ich diese Personen nie wieder sehen werde.

Pünktlich um 19 Uhr war dann Einlass. Als wir in das Gebäude stürmten, rannten ganz vorne einige Leute und einer der Türsteher rief wütend: „Hier wird nicht gerannt!“ was bei uns zu einem Lachanfall führte. Jacken ausziehen und in die Tasche stopfen, nochmal auf Toilette gehen und dann versuchen einen guten Platz zu erwischen. Ich drückte Jenny 30€ in die Hand und bat sie mir ein T-Shirt am Merchandising-Stand zu kaufen, damit Sunni und ich die Plätze sichern. Wir hatten auch Plätze ziemlich weit vorne, aber es wurde so stark gedrängelt, dass ich aufgegeben habe und lieber zu den anderen Beiden einige Reihen weiter hinten gegangen bin, Sunni im Schlepptau. Es waren trotzdem gute Plätze mit etwas mehr Platz. Und bei einem Konzert wird man eh nach vorne geschubst, weil alle drängeln und so nah an die Bühne wie möglich rankommen wollen.

Irgendwann kam dann mal die Vorband auf die Bühne. Ich hatte so gut wie gar nichts erwartet. Atilla“ hatte ich mir erst einmal auf Youtube angehört und hatte das Browserfenster geschockt wieder geschlossen und auch die Leute aus dem Fanclub hatten mir erzählt, wie schrecklich die Band sein würde. Im Endeffekt war die Band dann nicht so schlimm wie erwartet. Es war nicht ganz mein Musikgeschmack, aber zur Einstimmung und zum Warmhüpfen hat es dann doch gereicht. Auch wenn der Leadsänger ein extrem selbstverliebter Dödel war und sich selbst über den Klee gelobt hat. Die Band spielte einen Song nach dem Anderen und versuchte das Publikum anzuheizen, forderte uns auf aus uns heraus zu kommen.

Der Leadsänger nahm der Person in der ersten Reihe ein Schild ab, hielt es sich vor das Gesicht und las die Worte vor die darauf geschrieben waren. Der gesamte Saal lachte lauthals los, als er mit seinem starken Akzent auf einmal „Du bist schwul.“ sagte, dann das Schild umdrehte und wir alle „Play outside“ lesen konnten. Das war einfach die perfekte Situationskomik.

Irgendwann sagte dann der Leadsänger etwas von „There are no fucking rules at a Atilla Concert.“ War natürlich sehr schön, dass einige Idioten das auch gleich wörtlich nahmen. Ich mag meinen Schimmelkopf ja, aber ich wollte nun wirklich nicht wissen wie sich ihre Stirn anfühlt, wenn sie gegen meine Schulter knallt, weil irgendwelche halbstarken Proleten der Meinung waren sich herumzuschubsen. Das war nicht mal ein spontaner Moshpit, das war einfach nur affiges Rumgeschubse. Aber gut, zum Glück verschwand Atilla kurz darauf auch von der Bühne.

Nach erneutem endlosem Warten kam dann endlich Hollywood Undead auf die Bühne. Hach, die Jungs wissen einfach wie man Stimmung macht. Alle im Saal haben gekreischt wie verrückt und die Band legte auch sofort mit dem ersten Song los. Es sind Köpfe und Arme durch die Gegend geflogen, es wurde getanzt, es wurde geklatscht, es wurde gebrüllt, es wurde mitgesungen/mitgerappt. Zum Glück versteht man auf einem Konzert seinen Nachbar nicht. Ich kann nämlich weder singen noch rappen, hält mich aber nicht davon ab es zu machen.

Die Stimmung schaukelte sich mit jedem Song mehr hoch. Es wurde lauter geklatscht, lauter gebrüllt, lauter gesungen. Zwei Leute versuchten es mit Crowdsurfing. Einer wurde fallen gelassen, der Andere hat es rüber geschafft. Moshpit Circle entstanden, man kletterte auf die Schultern anderer Leute, man sang mit, tanzte, wirbelte den Kopf herum, genoss den Augenblick. Und ich denke gerade nur an das Lied „Undead“, was im Übrigen einer meiner absoluten Favoriten der Band ist. Es war ein herrliches Bild, wie „You better get up out the way, tomorrow well rise to spite today vom Sänger gebrüllt wurde, und dann das Publikum synchron „You know, I don’t give a fuck what you think and say, cause we are rock this whole place anywayzurückbrüllte, alle schön einstimmig die Mittelfinger Richtung Bühne gestreckt.

Es wurde irgendwann ein Fan auf die Bühne geholt, der gebührend vom Publikum gefeiert wurde, bevor und nachdem er ein ganzes Lied auf der Gitarre mit seiner Lieblingsband spielen durfte. Leider, kann ich kein Instrument spielen, ich kann nicht singen, ich kann nicht rappen. Also, werde ich leider niemals versuchen auf so eine Bühne zu kommen. Aber ich habe es dem Jungen wirklich gegönnt. Der sah so dermaßen glücklich aus.

Schließlich wurde „Bullet“ gespielt, was so ziemlich das fröhlichste Selbstmordlied aller Zeiten ist. Habt ihr euch das mal angehört? Es ist total bizarr und unpassend, aber es macht einen riesigen Spaß bei diesem Lied zu tanzen und zu leben! Ich glaube, das war auch das Lied, als einer der Sänger/Rapper brüllte: „Are you happy to be alive right now?“ und der komplette Konzertsaal sich die Seele aus dem Leib schrie.

My legs are dangling off the edge,
The bottom of a bottle is my only friend,
I think I'll slit my wrists again and I'm gone, gone, gone,
My legs are dangling off the edge,
A stomach full of pills didn't work again,
I'll put a bullet in my head and I'm gone, gone, gone.

Und dann diese fröhliche Musik zu diesem Songtext. Herrlich bizarr und perfekt zum Spaß haben.

 

Irgendwann fing die Band dann dauernd an „Ich liebe dich“ zu sagen, immer wieder, immer lauter, immer schneller. Bis schließlich ein Song daraus wurde. Es war einfach extrem lustig und alle haben mitgemacht. Wir brüllten „Ich liebe dich“, während die Band „Isch liebö disch“ sangen. Ich könnte mich jedes mal beeiern, wenn englischsprachige Menschen versuchen Deutsch zu sprechen. Das haben die aber bei ihrem Rammsteincover von „Du hast“ erstaunlich gut hinbekommen. Ein Song, den jeder kennt. Deswegen hat es auch so wunderbar funktioniert und die Band hat das wirklich gut gemacht die Stimmung des Songs einzufangen.

Als schließlich der Song „Day of the Dead“ gespielt wurde rastete die Menge komplett aus. All die angestaute Energie entlud sich als alle brüllten und mitsangen, klatschten, schubsten und tanzten. Die Band schien ebenfalls riesigen Spaß zu haben. Das Geklatsche und Gejohle wurde noch lauter, als ein Bandmitglied mit einer riesigen Flagge mit dem Bandlogo über die Bühne stolzierte, während wir dazu aufgefordert wurden den Refrain zu singen. 

Day of the Dead
Natürlich wollten wir nach diesem Konzert eine Zugabe. Also alle die Hände hoch, vollkommen synchron klatschen und brüllen „One more Song“. Das Gejohle wurde immer schneller und unrhythmischer, bis einige Leute ganz hinten plötzlich anfingen die Anfangszeilen eines Songs zu singen, welches eigentlich immer das erste Lied der Zugabe ist. Kurz darauf schmetterten alle 1100 Leute diese Zeilen:

Everywhere I go, bitches always know
That Charlie Scene has got a weenie that he loves to show, bitch
Everywhere I go, bitches always know
That Charlie Scene has got a weenie that he loves to show


Die Band meldete sich über Lautsprecher, stachelte uns an immer weiter zu singen, was wir nur liebend gerne taten. Schließlich kamen sie wieder auf die Bühne gestürmt und gaben das komplette Lied zum besten. Dann wurde noch eine Runde herumgealbert, bevor das Konzert vorbei war. Allgemein, hatte die Band verdammt gute Laune. Die haben so viele Scherze gemacht und so viel Müll gelabert, dass eigentlich immer irgendjemand gelacht hat.

Konzert vorbei? Umdrehen, sich durch Menge quetschen, anstellen, Tasche holen, seine Begleitpersonen suchen, raus an die frische Luft, erstmal Zigarettchen anzünden und dann im Chor jammern wie erledigt man ist, wie sehr man Nackenschmerzen hat und was für Hunger man hat.

Als ich dann endlich zu Hause war, völlig erledigt und um mehr Geld leichter, als ich es eingeplant hatte, viel ich einfach nur ins Bett und grinste. Glücklich. Vollgepumpt mit Musik und Erinnerungen. Es gibt schlimmere Momente zum Einschlafen, so viel steht fest.

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